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Kryolith
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Kryolith ist ein eher selten vorkommendes Mineral aus der Mineralklasse der Halogenide mit der idealisierten chemischen Zusammensetzung Na2NaAlF6 und damit Natriumhexafluoroaluminat(III).

Kryolith kristallisiert im monoklinen Kristallsystem und entwickelt entweder pseudokubische Kristalle oder massige Aggregate von weißer, brauner, grauer, braun-schwarzer oder rötlicher Farbe. Das Mineral bildet sich typischerweise im Pegmatitstadium und findet sich in Granit-Pegmatiten und in der Grundmasse einiger fluorreicher, topashaltiger Rhyolithe. Es wird unter anderem von Aegirin, Chabasit, Eudialyt, Fluorit, Kryolithionit, Mikroklin, Natrolith, Pachnolith, Phenakit, Quarz, Siderit, Sodalith, Sphalerit, Thomsenolith, Topas, Villiaumit und Weberit begleitet.

Die TyplokalitĂ€t des Kryoliths ist der extrem fluorreiche Granit-Pegmatit der Ivigtut Mine (kryolith-lagerst-tte-ivigtutKoordinaten der Kryolith-LagerstĂ€tte Ivigtut61.205833333333-48.175555555556) bei der wĂŒstgefallenen Siedlung Ivittuut (nach alter Rechtschreibung IvigtĂ»t, auch Ivigtut) am SĂŒdufer des Ilorput (Arsukfjords) im Distrikt Ivittuut in der Kommuneqarfik Sermersooq im autonomen Teil Grönland des Königreichs DĂ€nemark. Sie war der einzige Ort weltweit, wo das Mineral Kryolith lagerstĂ€ttenbildend auftrat und gewinnbringend abgebaut wurde.

Contents

‱ Chemismus
‱ Morphologie
‱ Synthese
‱ Verwendung
‱ Literatur
‱ Weblinks

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Etymologie und Geschichte

Das Mineral war den GrönlĂ€ndern bereits zu Beginn des 18. Jahrhunderts bekannt. Sie beschwerten damit ihre Zelte und Fischernetze und mischten es in pulverisierter Form ihrem Schnupftabak bei.cite-ref-petersen-secher-1984-15-0[15] Erste Proben des Minerals kamen durch Missionare und/oder Grönlandfahrer nach DĂ€nemark, wo sie 1795 erstmals vom MilitĂ€rchirurgen und Assistenzprofessor einer naturforschenden Gesellschaft zu Kopenhagen Heinrich Christian Friedrich Schumacher – allerdings irrtĂŒmlich als Schwerspat – beschrieben wurde.cite-ref-petersen-secher-1984-15-1[15] Als Typpublikation gilt die kurze Notiz von Peter Christian Abildgaard (1740–1801) im von Alexander Nicolaus Scherer herausgegebenen Allgemeinen Journal der Chemie von 1799:

„In der ordentlichen Versammlung der königl. Gesellschaft der Wissenschaften am 1. Februar dieses Jahres stattete Hr. Prof. Abildgaard einen Bericht [
] ab. Zugleich theilte er auch eine Nachricht von einer vor wenigen Jahren aus Grönland nach DĂ€nemark gebrachten besonders weißen spatartigen Miner mit. Einer damit angestellten Untersuchung zu folge bestand sie aus Thonerde und FlußspathsĂ€ure. Eine Verbindung, von welcher noch kein Ă€hnliches Beyspiel im Mineralreich vorgekommen ist. Sie hat den Namen Chryolith erhalten, weil sie vor dem Löthrohre wie gefrorne Salzlauge schmilzt.“

–

Peter Christian Abildgaard

:

Norwegische Titanerze und andre neue Fossilien

Ein Jahr spĂ€ter erschien eine Übersetzung ins Französische im französischen Wissenschaftsmagazin Annales de Chimie.cite-ref-abildgaard-annales-1799-16-0[16]

Abildgaard benannte das Mineral aufgrund seiner leichten Schmelzbarkeit nach altgriechisch ÎșÏÏÎżÏ‚ krĂœos, deutsch ‚Frost, KĂ€lte‘, und altgriechisch Î»ÎŻÎžÎżÏ‚ lĂ­thos, deutsch ‚Stein‘, als Kryolith. Der deutsche Trivialname „Eis-Stein“ – entstanden aufgrund des charakteristischen Aussehens wie massiges Eis – ist einer FehlĂŒbersetzung des griechischen Wortes ÎșÏÏÎżÏ‚ geschuldet, welches nicht „Eis“, sondern „Frost“ bedeutet. Das griechische Wort fĂŒr Eis ist ÎșÏÏÏƒÏ„Î±Î»Î»ÎżÏ‚ krĂœstallos.cite-ref-hintze-1915-11-6[11] Die GrönlĂ€nder aus Ivittuut und Umgebung bezeichneten das Mineral als Orsugisat – aufgrund seiner Ă€ußerlichen Ähnlichkeit mit Seehundspeck, dessen Name „Orsok“ lautet.cite-ref-stelzner-bergeat-1904-4-1[4]

Es ist kein (Typ)-Material erhalten geblieben, welches in Zusammenhang mit den ersten Untersuchungen und Beschreibungen steht. Verschiedene Quellencite-ref-mindat-kryolith-12-7[12]cite-ref-handbookofmineralogy-10-4[10] geben an, dass sich das Typmaterial fĂŒr Kryolith in der UniversitĂ€t Kopenhagen in Kopenhagen in DĂ€nemark befindet. Der Typmineralkatalog der International Mineralogical Association (IMA) verweist allerdings darauf, dass das Typmaterial (Cotypen) fĂŒr Kryolith in der Sammlung des MusĂ©um national d’histoire naturelle (deutsch Nationales Naturkundemuseum) in Paris in Frankreich und dort in der Galerie Nationale de MinĂ©ralogie et de GĂ©ologie aufbewahrt wird, wobei keine Katalognummern angegeben sind.cite-ref-ima-typmineralkatalog-17-0[17] Aufgrund der Entdeckung und Erstbeschreibung vor 1959 (vor ĂŒber 220 Jahren) zĂ€hlt der Kryolith zu den anerkannten Mineralen mit Bestandsschutz, die von der IMA als Grandfathered bezeichnet werdencite-ref-ima-typmineralkatalog-17-1[17]cite-ref-ima-liste-5-1[5] und keine eigentliche IMA-Nummer besitzen.

Klassifikation

Die strukturelle Klassifikation der International Mineralogical Association (IMA) zÀhlt den Kryolith zur Gruppe der stöchiometrischen Doppelperowskite in der Perowskit-Supergruppe. Hier bildet er zusammen mit Elpasolith und Simmonsit die Elpasolith-Untergruppe.cite-ref-mitchell-et-al-2017-18-0[18]

Bereits in der veralteten 8. Auflage der Mineralsystematik nach Strunz gehörte der Kryolith zur Mineralklasse der „Halogenide“ und dort zur Abteilung der „Doppelhalogenide“, wo er zusammen mit Elpasolith die „Kryolith-Elpasolith-Gruppe“ mit der System-Nr. III/B.03 und den weiteren Mitgliedern Chukhrovit, Creedit, Gearksutit, Jarlit, Kryolithionit, Tikhonenkovit, Usovit und Yaroslavit sowie dem 2006 diskreditierten Boldyrevit bildete.

Im zuletzt 2018 ĂŒberarbeiteten und aktualisierten Lapis-Mineralienverzeichnis nach Stefan Weiß, das sich aus RĂŒcksicht auf private Sammler und institutionelle Sammlungen noch nach dieser alten Form der Systematik von Karl Hugo Strunz richtet, erhielt das Mineral die System- und Mineral-Nr. III/B.03-30. In der „Lapis-Systematik“ entspricht dies ebenfalls der Abteilung „Doppelhalogenide“, wobei in den Gruppen III/B.01 bis 03 die Doppelhalogenide mit [BF4]1−, [SiF6]2− und [AlF6]3− eingeordnet sind. Kryolith bildet hier zusammen mit BĂžgvadit, Calcjarlit, Colquiriit, Elpasolith, Fluornatrocoulsellit, Jarlit, JĂžrgensenit, Kryolithionit und Simmonsit eine eigenstĂ€ndige, aber unbenannte Gruppe.cite-ref-lapis-7-1[7]

Die seit 2001 gĂŒltige und von der IMA verwendete 9. Auflage der Strunz’schen Mineralsystematik ordnet den Kryolith ebenfalls in die Klasse der „Halogenide“, dort allerdings in die Abteilung der „Komplexen Halogenide“ ein. Diese ist zudem weiter unterteilt nach der Art der Kristallstruktur, so dass das Mineral entsprechend seinem Aufbau in der Unterabteilung „Insel-Aluminofluoride (Neso-Aluminofluoride)“ zu finden ist, wo es als alleiniger Namensgeber die „Kryolithgruppe“ mit der System-Nr. 3.CB.15 und den weiteren Mitgliedern Elpasolith und Simmonsit bildet.

Auch die vorwiegend im englischen Sprachraum gebrĂ€uchliche Systematik der Minerale nach Dana ordnet den Kryolith in die Klasse der „Halogenide“ und dort in die Abteilung „Komplexe Halogenide – Aluminiumfluoride“ ein. Auch hier ist er namensgebend in der „Kryolithgruppe“ mit der System-Nr. 11.06.01 innerhalb der Unterabteilung „Komplexe Halogenide - Aluminiumfluoride mit verschiedenen Formeln“ zu finden.

Chemismus

Die erste qualitative Analyse des Kryoliths stammt von Abildgaardcite-ref-abildgaard-allg-journ-1799-2-3[2], der „Thonerde und FlußspathsĂ€ure“, also Aluminium (eigentlich Al2O3!) und HF, fand. Die erste quantitative nasschemische Analyse fĂŒhrte Martin Heinrich Klaproth aus, der im Kryolith das von den frĂŒheren Bearbeitern (Abildgaard, JosĂ© BonifĂĄcio de Andrada e Silva, Louis-Nicolas Vauquelin) ĂŒbersehene Natrium („Natrum“) nachwies:

„Ganz unerwartet hatte ich also hier, neben den bereits von Hrn. Prof. Abildgaard angezeigten beiden Bestandtheilen des Kryoliths, auch noch das Natrum, als dessen dritten wesentlichen Bestandtheil, aufgefunden, welche Entdeckung mir um so viel mehr VergnĂŒgen gewĂ€hrte, da es das erste mir vorgekommene Beispiel vom Dasein des Natrum, als Bestandtheil eines festen steinartigen Fossils, ist.“

–

Martin Heinrich Klaproth

:

Chemische Untersuchung des Kryoliths

Die erste genaue Analyse fĂŒhrte Jöns Jakob Berzeliuscite-ref-berzelius-1823-20-0[20]cite-ref-berzelius-1824-21-0[21] aus; er erhielt 54,07 % F, 13,00 % Al und 32,93 % Na (Summe 100,00 %).

Mittelwerte aus neun Mikrosonden-Analysen an Kryolith von der TyplokalitĂ€t lieferten 33,31 % Na; 13,96 % Al und 53,97 % F (Summe 101,25 %).cite-ref-cryolite-rruff-id-r050287-22-0[22] Auf der Basis von sechs Fluoratomen wurde daraus die empirische Formel Na3,06Al1,09F6 ermittelt, die zu Na3,00Al1,00F6,00 vereinfacht werden kann.cite-ref-cryolite-rruff-id-r050287-22-1[22] BerĂŒcksichtigt man die unterschiedliche strukturelle Position der Na-Atome, entspricht diese Formel auch der offiziellen Formel (Na2NaAlF6) der IMA fĂŒr Kryolith.cite-ref-ima-liste-5-2[5]

Die alleinige Elementkombination Na–Al–F, wie sie der offiziellen Formel der IMA fĂŒr den Kryolith zu entnehmen ist, weisen unter den derzeit bekannten Mineralen (Stand 2022) nur Chiolith, Na5Al3F14 und der ungenĂŒgend charakterisierte, möglicherweise mit Chiolith identische Khodnevit, Na2AlF5, auf.cite-ref-mindat-chemie-23-0[23]

Hinsichtlich der chemischen Zusammensetzung ist Kryolith das Na2-dominante Analogon zum K2-dominierten Elpasolith, K2NaAlF6, das Na-dominante Analogon zum Li-dominierten Simmonsit, Na2LiAlF6, und das Na2-Na-dominante Analogon zum Ca-Li-dominierten Colquiriit, CaLi[AlF6]. Eine mögliche Mischkristallbildung zwischen Kryolith und Elpasolith wurde bisher noch nicht nachgewiesen.cite-ref-mitchell-et-al-2017-18-1[18]

Kristallstruktur

Kryolith kristallisiert im monoklinen Kristallsystem in der Raumgruppe P21/n (Raumgruppen-Nr. 14, Stellung 2)Vorlage:Raumgruppe/14.2 mit den Gitterparametern a = 5,4024 Å; b = 5,5959 Å, c = 7,7564 Å und ÎČ = 90,278 ° sowie zwei Formeleinheiten pro Elementarzelle.cite-ref-hawthorne-ferguson-1975-9-2[9] Hierbei kommt es zu einer Gitterverzerrung.cite-ref-m-ller-24-0[24]

Die Kristallstruktur des Kryoliths besteht aus isolierten, extrem regelmĂ€ĂŸigen AlF6-Oktaedern, die von zwei kristallographisch unterschiedlichen, [6]- und [8]-koordinierten Na-Atomen umgeben sind. Na(1) zeigt eine ziemlich regelmĂ€ĂŸige oktaedrische Koordination durch Fluor, und diese Oktaeder besitzen gemeinsame Ecken mit den AlF6-Oktaedern. Na(2) wird von acht Fluoratomen koordiniert, die in einem stark verzerrten kubischen Antiprisma angeordnet sind. Der große BindungslĂ€ngenbereich des Na(2)-Atoms resultiert aus den Anforderungen an die BindungsstĂ€rke der Fluoranionen. Die AlF6- und NaF6-Oktaeder bilden ein dreidimensionales GerĂŒst, in dessen großen HohlrĂ€umen die Na[8]-koordinierten Atome sitzen.cite-ref-hawthorne-ferguson-1975-9-3[9]cite-ref-strunz-nickel-6-2[6]

Obwohl Kryolith eine monokline Symmetrie aufweist, ist er pseudokubisch mit einer SuperzellmultiplizitĂ€t von 2. Aus dieser Superzelle können die Zellen aller homotypischen Alkalimetallhexafluoride wie zum Beispiel die tetragonalen Polymorphe von K3AlF6, Rb3AIF6 und Cs3AlF6 abgeleitet werden. Der komplexe Polymorphismus dieser Verbindungen kann mit den Koordinationserfordernissen der großen Alkalimetallkationen zusammenhĂ€ngen. Der KomplexitĂ€tsgrad des Polymorphismus der M+3AlF6-Verbindungen nimmt mit abnehmendem Ionenradius des Alkalikations zu.cite-ref-hawthorne-ferguson-1975-9-4[9]

Die kubische Hochtemperaturform des ÎČ-Kryoliths besitzt ein flĂ€chenzentriertes Gitter mit vier Formeleinheiten pro Elementarzelle. Die Umwandlung von ÎČ-Kryolith zu α-Kryolith, dem eigentlichen Kryolith, verlĂ€uft Ă€hnlich wie die zwischen Hoch- und Tiefquarz spontan und reversibel bei einer Temperatur von 560 °C.cite-ref-weiner-hochleitner-1980-25-0[25]cite-ref-strunz-nickel-6-3[6]

Im Gegensatz zu allen erwĂ€hnten Arbeiten haben Hexiong Yang und Kollegencite-ref-hexiong-yang-et-a-1993-26-0[26] im Verlauf einer Hochtemperatur-Einkristall-Röntgenbeugungsstudie im Bereich 295 bis 900 K Hinweise darauf erhalten, dass im verwendeten Kryolith-Einkristall bei T0 ≈ 885 K ein fluktuationsinduzierter PhasenĂŒbergang erster Ordnung von monokliner zu orthorhombischer Symmetrie stattfindet – im Gegensatz zu den Ergebnissen frĂŒherer Studien, die – wie oben erwĂ€hnt – davon ausgehen, dass Kryolith bei ≈ 823 K in eine kubische Hochtemperatur-Modifikation ĂŒbergeht.cite-ref-hexiong-yang-et-a-1993-26-1[26]

Eigenschaften

Morphologie

Kryolith bildet bis zu 4 cm große Kristallecite-ref-petersen-secher-1984-15-2[15], in deren Tracht ca. 30 verschiedene FlĂ€chenformen nachgewiesen wurden.cite-ref-hintze-1915-11-7[11]cite-ref-goldschmidt-1918-27-0[27] Zu den wichtigsten und verbreitetsten zĂ€hlen das vordere Pinakoid a {100}, das seitliche Pinakoid b {010} und das Basispinakoid c {001}; die Pinakoide parallel zur b-Achse v {101} und k {101}; das Prisma parallel zur a-Achse r {011}; das Prisma parallel zur c-Achse m {110} sowie die Prismen allgemeiner Lage p {111} und s {121}.cite-ref-weiner-hochleitner-1980-25-1[25] Der grĂ¶ĂŸte Teil der im Atlas der Krystallformen von Victor Mordechai Goldschmidt abgebildeten Kristallzeichnungen des Kryoliths stammt von JĂłzsef SĂĄndor Krenner und Ove Balthasar BĂžggild.cite-ref-krenner-1883-28-0[28]cite-ref-b-ggild-1912-29-0[29]

Die Kristalle bilden zwei verschiedene Habitusvarianten. Sie sind entweder wĂŒrfelĂ€hnlich-pseudokubisch mit {110} und {001} und zeigen oft „gebrochene Kanten“ durch das Auftreten des vorderen Pinakoids {100} und des Prismas {111} sowie abgestumpfte Ecken durch das Pinakoid {101} und die Prismen {011} und {121} (vgl. dazu die Nummer 2 der nebenstehenden Kristallzeichnungen). Die FlĂ€chen des Prismas {110} weisen charakteristische Streifungen parallel zu [111], [111] und [110] auf. Die zweite Habitusvariante sind nach der c-Achse [001] kurzprismatische Kristalle (vgl. dazu die Nummern 9 und 10 der nebenstehenden Kristallzeichnungen).cite-ref-weiner-hochleitner-1980-25-2[25]cite-ref-handbookofmineralogy-10-5[10]

Die Kristalle sind hĂ€ufig nach einem oder gleichzeitig nach mehreren (bis zu 5 oder mehr) von 13 unterschiedlichen Gesetzen verzwillingt, was zu Durchdringungs-, Wiederholungs- und polysynthetischen Zwillingen fĂŒhrt.cite-ref-handbookofmineralogy-10-6[10] Zu diesen zĂ€hlen:cite-ref-palache-et-al-1951-13-4[13]

‱ Durchdringungszwillinge nach [110] durch Rotation um 90° oder 270° (hĂ€ufig)
‱ Wiederholungszwillinge nach [110] durch Rotation um 180° (weniger hĂ€ufig)
‱ Zwillinge nach [021] durch Rotation um 120° (hĂ€ufig), Zusammensetzung OberflĂ€che unregelmĂ€ĂŸig; vor allem in körnigem Material, als feine Lamellen und wohl immer sekundĂ€r
‱ Wiederholungszwillinge nach [111] durch Rotation um 180° (selten); nicht in körnigem Material
‱ Zwillinge nach (001) oder nach [100] durch Rotation um 180°, VerwachsungsflĂ€che (001)
‱ Zwillinge nach (100) oder nach [001] durch Rotation um 180°, VerwachsungsflĂ€che (100)
‱ Zwillinge nach (112), VerwachsungsflĂ€che (112)
‱ Zwillinge nach (112), VerwachsungsflĂ€che (112)
‱ Zwillinge nach (110), VerwachsungsflĂ€che (110)
‱ Zwillinge nach [111] durch Rotation um 180°
‱ Zwillinge nach (211)

Im Gegensatz zu den seltenen Kristallen tritt Kryolith wesentlich hĂ€ufiger massiv-derb oder in spĂ€tigen bis grobkörnig-dichten Aggregaten auf. Die Kristalle sind dann auf den OberflĂ€chen dieser Aggregate flach und parkettartig aufgewachsen (vgl. die Kristallzeichnung nach JĂłzsef SĂĄndor Krenner 1883).cite-ref-palache-et-al-1951-13-5[13]cite-ref-weiner-hochleitner-1980-25-3[25] Die derben, sehr grobkörnigen Aggregate des Kryoliths an der TyplokalitĂ€t erreichten GrĂ¶ĂŸen von bis zu 6 m.cite-ref-petersen-secher-1984-15-3[15]

In dem Karbonatitstock in den Chibinen, Russland, bildete Kryolith in einem Sideritgang mit Burbankit, Dawsonit und Pyrit clusterartige Aggregate bis zu 1 cm Durchmesser aus kleinen farblosen Kristallen bis zu 1 mm GrĂ¶ĂŸe. Die Kristalle weisen einen pseudokubischen Habitus auf und zeigen gekrĂŒmmte FlĂ€chen des Prismas {110} und des Basispinakoids {001}. In anderen Dawsonit-Kryolith-GĂ€ngchen innerhalb des Karbonatitstocks fanden sich wasserklar-durchsichtige, isometrische, bis zu 3 cm große Kryolith-Aggregate unter schneeweißem faserigem Dawsonit in Begleitung von Neighborit, Fluorit, Siderit, Burbankit, Pyrit, Galenit und Sphalerit.cite-ref-yakovenchuk-et-al-2005-30-0[30]

Physikalische Eigenschaften

Kryolith-Kristalle sind wasserklar-farblos bis weißlich und schneeweiß, können aber auch rötlich, ziegelrot, brĂ€unlich, grau, braun-schwarz oder schwarz gefĂ€rbt sein.cite-ref-hintze-1915-11-8[11]cite-ref-handbookofmineralogy-10-7[10] Die schwarze Farbe soll durch Gehalte an organischen Stoffen bedingt sein, da so gefĂ€rbter Kryolith nach Erhitzen bis zur Rotglut weiß wird.cite-ref-johnstrup-1883-31-0[31]cite-ref-sj-gren-1886-32-0[32] Ihre Strichfarbe wird mit weiß angegeben.cite-ref-palache-et-al-1951-13-6[13] Die OberflĂ€chen des durchsichtigen bis durchscheinendencite-ref-hintze-1915-11-9[11] Kryoliths zeigen einen feuchten, glasartigen Glanz, gelegentlich auch Fettglanz.cite-ref-hintze-1915-11-10[11] Auf den FlĂ€chen des Basispinakoids {001} weist das Mineral hingegen Perlmuttglanz auf.cite-ref-hintze-1915-11-11[11] Kryolith besitzt eine diesem Glanz entsprechende geringe Lichtbrechung (nα = 1,339; nÎČ = 1,339; nÎł = 1,340)cite-ref-mindat-kryolith-12-8[12] und eine kaum vorhandene Doppelbrechung (ÎŽ = 0,001).cite-ref-mindat-kryolith-12-9[12] Aufgrund dieser niedrigen Lichtbrechung, welche mit der des Wassers nahezu identisch ist (Wasser hat fĂŒr Tageslicht mit einer WellenlĂ€nge von λ = 589 nm einen Brechungsindex von 1,33300), verschwindet farbloser Kryolith scheinbar im Wasser.cite-ref-mindat-kryolith-12-10[12] Unter dem Polarisationsmikroskop ist der zweiachsig positivecite-ref-mindat-kryolith-12-11[12] Kryolith im durchfallenden Licht farblos und nicht pleochroitisch.cite-ref-handbookofmineralogy-10-8[10]cite-ref-yakovenchuk-et-al-2005-30-1[30]

Kryolith besitzt keine Spaltbarkeit, die Teilbarkeit mit Absonderungen nach {001} und {110} ruft aber einen der Spaltbarkeit Ă€hnelnden Effekt hervor.cite-ref-palache-et-al-1951-13-7[13] Da der Winkel zwischen den beiden AbsonderungsflĂ€chen 88° betrĂ€gt, wird dadurch eine wĂŒrfelĂ€hnliche Absonderung erzeugt.cite-ref-schr-cke-weiner-1981-33-0[33] Das Mineral bricht aufgrund seiner Sprödigkeitcite-ref-palache-et-al-1951-13-8[13] Ă€hnlich wie Quarz oder Amblygonit, wobei die BruchflĂ€chen muscheligcite-ref-hintze-1915-11-12[11]cite-ref-yakovenchuk-et-al-2005-30-2[30] (wie beim Quarz) oder unebencite-ref-palache-et-al-1951-13-9[13] (wie beim Amblygonit) ausgebildet sind. Kryolith weist fĂŒr massives Material eine MohshĂ€rte von 2,5 bis 3cite-ref-hintze-1915-11-13[11] und fĂŒr Kristalle eine MohshĂ€rte von 3 bis 3,5cite-ref-pauly-1985-34-0[34]cite-ref-mindat-kryolith-12-12[12] auf und gehört damit zu den mittelharten Mineralen, die sich Ă€hnlich gut wie das Referenzmineral Calcit mit einer KupfermĂŒnze ritzen lassen. Die VickershĂ€rte des Minerals wurde auf der FlĂ€che (001) mit VHN50 = 346 (286–412) kg/mmÂČ bestimmt.cite-ref-pauly-1985-34-1[34] Die gemessene Dichte fĂŒr Kryolith betrĂ€gt je nach Bearbeiter 2,96 bis 2,98 g/cmÂłcite-ref-mindat-kryolith-12-13[12], die berechnete Dichte 2,973 g/cmÂł.cite-ref-handbookofmineralogy-10-9[10]

Das Mineral hat schwache thermolumineszente Eigenschaften und fluoresziert im kurzwelligen UV-Licht intensiv gelb bei gelber Phosphoreszenz sowie im langwelligen UV-Licht blassgelb.cite-ref-handbookofmineralogy-10-10[10] Anderen Angaben zufolge fluoresziert Kryolith jeweils nur selten und sehr schwach im kurzwelligen UV-Licht (254 nm) pinkfarben, blĂ€ulichweiß, orangerot, violettrot, violetrosa oder lachsrosa und im langwelligen UV-Licht (365 nm) blĂ€ulichweiß, violettrot und violettrosa. Am intensivsten fluoresziert danach Kryolith aus Ivittuut (rotorange im kurzwelligen, violettrot im langwelligen UV-Licht). Wichtigster Aktivator ist Eu2+.cite-ref-database-of-luminescent-minerals-35-0[35] Kryolith fĂ€rbt sich bei lĂ€ngerer Einwirkung von Elektronenstrahlen schwarz, entfĂ€rbt sich jedoch bereits nach einigen Minuten wieder.cite-ref-hintze-1915-11-14[11]

Chemische Eigenschaften

Kryolith ist sehr leicht – schon in der Kerzenflamme – schmelzbar; sein Schmelzpunkt liegt bei 1012 °C.cite-ref-r-mpp-14-1[14] Vor dem Lötrohr schmilzt er zu einem weißen Email und fĂ€rbt die Flamme rötlichgelb. Beim GlĂŒhen im offenen Glasröhrchen entwickelt sich Fluorwasserstoff (HF). Auf Kohle schmilzt er zu einer klaren Perle, die beim Erkalten undurchsichtig wird. Die Schmelzperlen ĂŒberziehen sich beim Erkalten mit Kristallskeletten von zunĂ€chst kubischem ÎČ-Kryolith (der Hochtemperaturmodifikation). Nach dem GlĂŒhen auf Kohle bleibt eine Kruste zurĂŒck, die durch Kobaltnitratlösung blau gefĂ€rbt wird.

Kryolith wird bereits von atmosphÀrischer Feuchtigkeit angelöst und kavernös; er löst sich leicht in Wasser (ein Teil in 2730 Teilen H2O bei 12 °C).cite-ref-johnstrup-1883-31-1[31]cite-ref-sj-gren-1886-32-1[32] Ferner löst er sich leicht in einer Lösung aus Aluminiumchlorid (AlCl3). Feines Pulver zersetzt sich beim ErwÀrmen mit konzentrierter wÀssriger OxalsÀure (C2H2O4) unter Entwicklung von HF. Kryolith löst sich gleichfalls unter Entwicklung von HF in konzentrierter SchwefelsÀure (H2SO4) vollstÀndig, in SalzsÀure (HCl) dagegen nur teilweise.cite-ref-hintze-1915-11-15[11]

Bildung und Fundorte

Kryolith ist ein im Pegmatitstadium gebildetes Mineral und tritt typischerweise eingewachsen in Granit-Pegmatiten oder aufgewachsen in DrusenhohlrĂ€umen von Pegmatiten auf. Ferner tritt er in Drusen von Alkaligesteinen, als Nebengemengteil von zinnfĂŒhrenden Alkali-Graniten und als aus der Dampfphase gebildetes Mineral auf KlĂŒften und in der Grundmasse einiger fluorreicher, topashaltiger Rhyolithe auf. In Form von Schmitzen (geringmĂ€chtige, nach den Seiten auskeilende Einlagerungencite-ref-murawskimeyer-36-0[36]) in Karbonatit-GĂ€ngen, die durch einen fenitisierten Biotit-Gneis setzen, und als seltene authigene Komponente in den Mergelsteinen und Schiefern der Green-River-Formation.cite-ref-handbookofmineralogy-10-11[10] SekundĂ€r entsteht Kryolith hydrothermal und aus Verwitterungslösungen in Drusen und Spalten in primĂ€ren, Kryolith fĂŒhrenden Mineralvergesellschaftungen.cite-ref-weiner-hochleitner-1980-25-4[25]

Kryolith wandelt sich leicht in andere Aluminiumfluoride wie Pachnolith, Thomsenolith, Gearksutit, Kryolithionit, Weberit, Jarlit und Prosopit um. Die VerĂ€nderung beginnt gewöhnlich mit dem Eindringen entlang der Teilbarkeiten und fĂŒhrt zu zelligen oder porösen Massen, die mit Kristallen der sekundĂ€ren Minerale ausgekleidet sind. Einige der Alterationen wurden auch kĂŒnstlich nachvollzogen.cite-ref-palache-et-al-1951-13-10[13] In einem Biotit-Nephelin-Sodalith-Orthoklas-Gang in Hornfelsen am Berg Partomtschorr in den Chibinen wird Kryolith von Nephelin verdrĂ€ngt. In Foyaiten am Berg Judytschwumtschorr wird er durch Albit ersetzt.cite-ref-yakovenchuk-et-al-2005-30-3[30] Im Ringkomplex Liruei (auch Ririwai) auf dem Jos-Plateau im nigerianischen Bundesstaat Plateau enthĂ€lt die dritte Granitphase (der Kaffo-Valley-Albit-Riebeckit-Granit) bis zu 6 % Kryolith.cite-ref-bailey-1980-37-0[37]

Charakteristische Begleitminerale sind Pachnolith, Thomsenolith, Gearksutit, Kryolithionit, Weberit, Jarlit, Prosopit, Chiolith, Mikroklin, Quarz, Fluorit, Siderit, Sphalerit und Topas (Ivigtut Mine, Grönland); Topas, Chiolith, Fluorit und Phenakit (Ilmengebirge, Russland) bzw. Sodalith, Villiaumit, Eudialyt, Lovozerit, Natrolith, Chabasit und Aegirin (Mont Saint-Hilaire, Kanada).cite-ref-handbookofmineralogy-10-12[10]

Die TyplokalitĂ€t des Kryoliths ist der extrem fluorreiche Granit-Pegmatit der Ivigtut Mine (kryolith-lagerst-tte-ivigtutKoordinaten der Kryolith-LagerstĂ€tte Ivigtut61.205833333333-48.175555555556) bei der wĂŒstgefallenen Siedlung Ivittuut am SĂŒdufer des Ilorput (Arsukfjords) im Distrikt Ivittuut in der Kommuneqarfik Sermersooq im autonomen Teil Grönland des Königreichs DĂ€nemark. Sie wurde erst von Carl Ludwig Giesecke auf seiner von 1806 bis 1813 dauernden Grönlandreise aufgefunden und anschließend kurz beschrieben.cite-ref-giesecke-1822-38-0[38] Gieseckes Tagebuch wurde allerdings erst wesentlich spĂ€ter – im Jahre 1878, lange nach Gieseckers Tod – von Frederik Johnstrup herausgegeben.cite-ref-johnstrup-1878-39-0[39] Im Jahre 1910 erschien eine zweite, vervollstĂ€ndigte Ausgabe.cite-ref-steenstrup-1910-40-0[40]

Die Ivigtut Mine ist die einzige LokalitĂ€t weltweit, in der Kryolith lagerstĂ€ttenbildend auftrat und ab 1854 auch kommerziell gewonnen wurde. Im Jahre 1865 wurde die Kryolith Mine og Handels Selskabet in Kopenhagen gegrĂŒndet.cite-ref-hintze-1915-11-16[11] Jahrzehntelang produzierte die Ivigtut Mine jĂ€hrlich rund 30000 Tonnen Kryolith.cite-ref-klockmann-8-1[8] Die LagerstĂ€tte ist seit 1962, als man den Abbau nach 106 Jahren einstellte, erschöpft – im Jahre 1987 endete auch der Abtransport des aufgehaldeten Kryoliths.cite-ref-petersen-secher-1984-15-4[15]

Weltweit konnte Kryolith bisher (Stand: 2022) an rund 50 Fundorten nachgewiesen werden.cite-ref-mindatanzahl-41-0[41]cite-ref-fundorte-42-0[42]cite-ref-bailey-1980-37-1[37] Dazu gehören:

‱ In Europa:

‱ die ZinnlagerstĂ€tte (Quarz-Kassiterit-Wolframit-Stockwerk) des Huber-Stocks bei BoĆŸĂ­ Dar (Gottesgab), Okres Karlovy Vary, KarlovarskĂœ kraj, und Krupka im ehemaligen Okres Teplice, ÚsteckĂœ kraj, beide in Tschechien, sowie die Zinn-Wolfram-Lithium-LagerstĂ€tte Zinnwald-CĂ­novec beiderseits der deutsch-tschechischen Grenze auf dem Kamm des Erzgebirges (KruĆĄnĂ© hory)
‱ kleine AufschlĂŒsse/Straßeneinschnitte im Ekerit am Fluss Gjerdingselva neben der unbefestigten Straße vom Gjerdingen-See zum Bahnhof Stryken, Kommune Lunner, Norwegen
‱ die brennende Kohlehalde der Grube Marcel, Radlin, Powiat WodzisƂawski, Rybniker Kohlenrevier (Rybnicki Okręg Węglowy) im Oberschlesischen Industriegebiet (Górnoƛląskie ZagƂębie Węglowe), Woiwodschaft Schlesien (Województwo ƛląskie), Polen
‱ das Oktjabrski (Mariupolski) Massiv (russisch ОĐșŃ‚ŃĐ±Ń€ŃŒŃĐșĐžĐč (ĐœĐ°Ń€ĐžŃƒĐżĐŸĐ»ŃŒŃĐșĐžĐč) ĐŒĐ°ŃŃĐžĐČ) bei Mariupol in der Oblast Donezk, und Vorkommen und LagerstĂ€tten („Kammerpegmatite“) im Rajon Korostyschiw (ukrainisch ĐšĐŸŃ€ĐŸŃŃ‚ĐžŃˆŃ–ĐČсьĐșĐžĐč раĐčĐŸĐœ, ehemals Rajon Wolodarsk-Wolynskyj) und die Beryllium-LagerstĂ€tte Perga (russisch ĐŒĐ”ŃŃ‚ĐŸŃ€ĐŸĐ¶ĐŽĐ”ĐœĐžĐ” ĐŸĐ”Ń€ĐłĐ°) im Erzfeld Pershanskoe (russisch ĐŸĐ”Ń€Đ¶Đ°ĐœŃĐșĐŸĐ” Ń€ŃƒĐŽĐœĐŸĐ” ĐżĐŸĐ»Đ”), beide in der Oblast Schytomyr, alle in der Ukraine
‱ der cancrinitfĂŒhrende Nephelinsyenit bei Ditrău, Kreis Harghita, Region SiebenbĂŒrgen, RumĂ€nien
‱ der Karbonatitstock in der NĂ€he der Tulilucht-Bucht (russisch залОĐČа ĐąŃƒĐ»ŃŒĐžĐ»ŃƒŃ…Ń‚) des Sees Umbosero, Chibinen-Massiv, der im August 2002 entdeckte Pegmatit Palitra (russisch ĐżĐ”ĐłĐŒĐ°Ń‚ĐžŃ‚ ĐŸĐ°Đ»ĐžŃ‚Ń€Đ°) in der Grube Karnassurt, Grubenbereich Kedyk, Lowosero-Tundren im Rajon Lowozero, und der Berg Alluaiw (russisch ĐłĐŸŃ€Đ° АллуаĐčĐČ), Rajon Lowozero, alle in der Oblast Murmansk, Halbinsel Kola, Russland
‱ der Pit No. 69 (G.I. Gasberg’s Topas-Kryolith-Bruch), Ilmengebirge, Oblast Tscheljabinsk, Föderationskreis Ural, Russland

‱ In Asien:

‱ agpaitische Alkali-Granite des Verkhnee-Espe-Massivs in den Akzhaylyautas-Bergen im Tarbagataigebirge, Ostkasachstan, Kasachstan
‱ das ca. 100 km nordöstlich der Nordspitze des Baikalsees liegende Alkaligesteinsmassiv Burpala (russisch Đ‘ŃƒŃ€ĐżĐ°Đ»Đ° ĐŒĐ°ŃŃĐžĐČ) am Fluss Maigunda im Becken der Mama, Burjatien, Föderationskreis Ferner Osten, Russland
‱ der Erzdistrikt Wosnessenski (russisch Đ’ĐŸĐ·ĐœĐ”ŃĐ”ĐœŃĐșĐžĐč Ń€ŃƒĐŽĐœŃ‹Đč раĐčĐŸĐœ) nördlich von Wladiwostok, Region Primorje, Föderationskreis Ferner Osten, Russland
‱ die Seltenmetall-Nb-Ta-Zr-LagerstĂ€tte Ulug-Tansek (russisch Улуг-ĐąĐ°ĐœĐ·Đ”Đș) im Erzin-Massiv, Koschuun Kaa-Chemski, Tuwa, Russland
‱ die Ta-Nb-LagerstĂ€tte Katugin (Katuginskoe, russisch ĐšĐ°Ń‚ŃƒĐłĐžĐœ) auf dem Aldan-Schild, Rajon Kalarski, Region Transbaikalien, Föderationskreis Ferner Osten, Russland

‱ In Afrika:

‱ der Granitkomplex Timedjelalen, Cercle de Tessalit, Region Kidal, Mali
‱ die Aris Quarries bei Aris, circa 25 km sĂŒdlich Windhoek im Wahlkreis Windhoek-Land (englisch Windhoek Rural) in der Region Khomas, der Kalkfeld-Komplex bei Kalkfeld unweit Otjiwarongo, Omatako, und die Okorusu Mine bei Otjiwarongo, beide in der Region Otjozondjupa, alle in Namibia
‱ der Ringkomplex Afu im Bundesstaat Nassarawa sowie die Ringkomplexe Amo, Jos Plateau, Liruei, Ropp und Shere auf dem Jos-Plateau im Bundesstaat Plateau, alle in Nigeria
‱ das Auftreten in Form von gelben warzigen fumarolischen Krusten auf trachyandesitischer Lava von der Inselgruppe Tristan da Cunha, St. Helena, Ascension und Tristan da Cunha

‱ In Nordamerika:

‱ Nellusivik, Kangerlussuaq, (SĂžndre StrĂžmfjord), Qeqqata Kommunia, Grönland
‱ der Steinbruch Poudrette im Mont-Saint-Hilaire-Komplex, Regionale Grafschaftsgemeinde La VallĂ©e-du-Richelieu, MontĂ©rĂ©gie, der Steinbruch Demix-Varennes im Saint-Amable-Sill, Varennes & Saint-Amable, Regionale Grafschaftsgemeinde Marguerite-D’Youville (frĂŒher Lajemmerais), MontĂ©rĂ©gie, und der Steinbruch Francon Quarry in MontrĂ©al, alle in QuĂ©bec, Kanada
‱ die Little Three Mine bei Ramona im Ramona Mining District, San Diego County, Kalifornien, USA
‱ die Inexco Mine im Jamestown Mining District, Boulder County, Colorado, USA
‱ Eureka Shaft und St Peters Dome (mit den Einzelfundstellen 30-4 Pegmatite, Cryolite Mine (65-2 Pegmatite) und Eureka tunnel (1-15 Pegmatite)) sowie die Stove Mountain Mineral Locality, alle im Cheyenne Mining District (St. Peters Dome Mining District) an der sĂŒdlichen Basis des Pikes Peak im El Paso County, Colorado, USA
‱ der Goldie-Karbonatit und der gangförmige McClure-Gulch-Karbonatit am McClure Mountain im Iron Mountain Complex, beide im Fremont County, sowie das Piceance Basin im Garfield County und Rio Blanco County, alle in Colorado, USA
‱ die Green-River-Formation im Grenzgebiet der Bundesstaaten Colorado, Wyoming und Utah, welche Gebiete in tertiĂ€ren lakustrinen, kerogenreichen Schiefern umfasst
‱ der Zapot-Pegmatit in der Gillis Range im Fitting Mining District, Mineral County, Nevada, USA
‱ der Steinbruch Point of Rocks, Point of Rocks Mesa (Pecks Mesa) bei Springer, Colfax County, New Mexico, USA
‱ die Round Top Prospects, Sierra Blanca Peaks, Hudspeth County, Texas, USA
‱ ein Vorkommen im sĂŒdlichen Teil des Emery County, Utah, USA, etwa zwischen Cidar City und Grand Junction
‱ der aluminiumfluoridhaltige Pegmatit der Morefield Mine bei Winterham im Amelia County, Virginia, USA
‱ der McGuire Pit (Salzman Quarry) im Nine Mile Pluton innerhalb des Wausau Intrusive Complex’, Marathon County, Wisconsin, USA
‱ der Yellowstone-Nationalpark, USA

‱ In SĂŒdamerika:

‱ die Sn-Nb-Ta-T-(Y,REE,Li)-LagerstĂ€tte der an den Madeira-A-Typ-Granit gebundenen Pitinga Mine bei der Gemeinde Presidente Figueiredo, Amazonas, und der 30 km Durchmesser aufweisende Karbonatit-Komplex von Lages, Santa Catarina, beide in Brasilien

Synthese

Da die VorrĂ€te der einzigen Kryolith-LagerstĂ€tte fĂŒr den Bedarf der AluminiumverhĂŒttung nicht ausreichten, wird es heute fast ausschließlich kĂŒnstlich hergestellt. Die technische Synthese kann, je nach vorhandener Rohstoffbasis, auf verschiedenen Wegen erfolgen.cite-ref-ullmann-43-0[43]

FlusssÀure-Prozesse

Im FlusssÀure-Prozesscite-ref-ullmann-43-1[43] wird im ersten Schritt Aluminiumoxid mit 40- bis 60-prozentiger FlusssÀure bei 70 °C umgesetzt:

Fehler beim Parsen (Unbekannte Funktion „\begin{math}“): {\displaystyle \ce{ 12 HF +Al2O3 \begin{math} \cdot \end{math} 3 H2O -> 2 AlF3 \begin{math} \cdot \end{math} 3 HF + 6 H2O}}

Die FlusssĂ€ure fĂŒr diese Reaktion wird z. B. aus Fluorit gewonnen. Im zweiten Schritt wird Kryolith durch Zugabe von Natriumhydroxid, Natriumcarbonat oder Natriumchlorid gefĂ€llt und danach gefiltert und bei 600 °C calciniert.

Fehler beim Parsen (Unbekannte Funktion „\begin{math}“): {\displaystyle \ce{ 2 AlF3 \begin{math} \cdot \end{math} 3 HF + 6 NaOH -> 2 AlF3 \begin{math} \cdot \end{math} 3 NaF v + 6 H2O}}
Fehler beim Parsen (Unbekannte Funktion „\begin{math}“): {\displaystyle \ce{ 2 AlF3 \begin{math} \cdot \end{math} 3 HF + 3 Na2CO3 -> 2 AlF3 \begin{math} \cdot \end{math} 3 NaF v + 3 H2O + 3 CO2}}
Fehler beim Parsen (Unbekannte Funktion „\begin{math}“): {\displaystyle \ce{ 2 AlF3 \begin{math} \cdot \end{math} 3 HF + 6 NaCl -> 2 AlF3 \begin{math} \cdot \end{math} 3 NaF v + 6 HCl}}

Zwischen 1965 und 1970 entwickelte die Firma Ugine Kuhlmann einen kontinuierlichen Prozess mit einer KapazitÀt von 8000 Tonnen/a basierend auf preiswertem Natriumaluminat:cite-ref-ullmann-43-2[43]

Fehler beim Parsen (Unbekannte Funktion „\begin{math}“): {\displaystyle \ce{ 12 HF +Al2O3 \begin{math} \cdot \end{math} 6 NaOH -> 2 AlF3\begin{math}\cdot\end{math}3 NaF + 9 H2O}}

FluorkieselsÀure-Prozesse

FluorkieselsĂ€ure, welches als Nebenprodukt bei der Herstellung von FlusssĂ€ure und Aluminiumfluorid, aber insbesondere von Superphosphaten anfĂ€llt, ist die Basis fĂŒr diese Prozesse.cite-ref-ullmann-43-3[43] Als eine mögliche Zwischenstufe wird Ammoniumfluorid gebildet:

H 2 S i F 6 + 6 N H 4 O H ⟶ ⟶ 6 N H 4 F + S i O 2 + 4 H 2 O ( l ) {\displaystyle \mathrm {H_{2}SiF_{6}+6\ NH_{4}OH\longrightarrow 6\ NH_{4}F+SiO_{2}+4\ H_{2}O_{\left(l\right)}} }
12 N H 4 F + A l 2 O 3 ⋅ ⋅ 6 N a O H + 3 H 2 O ⟶ ⟶ 2 ( A l F 3 ⋅ ⋅ 3 N a F ) + 12 N H 4 O H {\displaystyle \mathrm {12\ NH_{4}F+Al_{2}O_{3}\cdot 6\ NaOH+3\ H_{2}O\longrightarrow 2\ \left(AlF_{3}\cdot 3\ NaF\right)+12\ NH_{4}OH} }

Dieser Prozessweg wurde ab 1940 von den IG Farben im Werk Oppau verwendet und ist heute noch in zwei Werken im ehemaligen Jugoslawien im Einsatz.cite-ref-ullmann-43-4[43] Auch die Umsetzung des Ammoniumfluorids mit AlF3 zu Ammoniumkryolith als Zwischenstufe ist möglich, welches dann mit Natriumhydroxid oder Natriumchlorid umgesetzt werden kann.

3 N H 4 F + A l F 3 ⟶ ⟶ A l F 3 ⋅ ⋅ 3 N H 4 F {\displaystyle \mathrm {3\ NH_{4}F+AlF_{3}\longrightarrow AlF_{3}\cdot 3\ NH_{4}F} }
A l F 3 ⋅ ⋅ 3 N H 4 F + 3 N a O H ⟶ ⟶ ( A l F 3 ⋅ ⋅ 3 N a F ) + 3 N H 4 O H {\displaystyle \mathrm {AlF_{3}\cdot 3\ NH_{4}F+3\ NaOH\longrightarrow \left(AlF_{3}\cdot 3\ NaF\right)+3\ NH_{4}OH} }

Ein weiterer Syntheseweg ist die Herstellung von (a) Aluminiumfluorid und (b) Natriumfluorid aus FluorkieselsÀure und deren Umsetzung miteinander:cite-ref-ullmann-43-5[43]

3 N a F + A l F 3 ⟶ ⟶ A l F 3 ⋅ ⋅ 3 N a F {\displaystyle \mathrm {3\ NaF+AlF_{3}\longrightarrow AlF_{3}\cdot 3\ NaF} }

An Stelle von FluorkieselsĂ€ure kann auch Natriumhexafluorosilicat als Ausgangsmaterial fĂŒr die Bildung Natriumfluorid eingesetzt werden, welches danach wiederum mit Natriumaluminat zur Reaktion gebracht werden kann.cite-ref-ullmann-43-6[43]

Verwendung

„Kryoliten har stor praktisk Interesse, da den er det eneste Mineral, der for Tiden er Genstand for Brydning i Grþnland og det eneste, som nogen Sinde har givet noget stþrre Udbytte.“

„Der Kryolith ist von großem praktischem Interesse, da er das einzige Mineral ist, das derzeit in Grönland abgebaut wird und das einzige, das jemals einen grĂ¶ĂŸeren Ertrag erbracht hat.“

–

Ove Balthasar BĂžggild

:

Mineralogia Groenlandica (1905: 114)

Die GrönlĂ€nder KryolithlagerstĂ€tte wurde seit 1854 im Steinbruchbetrieb abgebaut, wobei bis 1901 insgesamt 307.731 Tonnen Kryolith gefördert worden sind. Im Jahre 1901 betrug die Produktion 8.125 Tonnen, wobei man 5.089 Tonnen nach Amerika und 2.954 Tonnen nach Europa exportierte. Die Jahreshöchstproduktion innerhalb der ersten 50 Jahre fĂ€llt in das Jahr 1897 und betrug 13.361 Tonnen.cite-ref-stelzner-bergeat-1904-4-2[4] Mitte des 20. Jahrhunderts bis zum Ende der Förderung im Jahre 1962 wurden jĂ€hrlich etwa 30.000 Tonnen Kryolith produziert.cite-ref-klockmann-8-2[8] Insgesamt lieferte die LagerstĂ€tte 3,7 Millionen Tonnen Erz mit einem Kryolithgehalt von 58 %.cite-ref-geus-dk-45-0[45] Der grönlĂ€ndische Kryolith war lĂ€ngere Zeit das wichtigste Aluminiumerz und diente daneben der Sodafabrikation. Etwa ab dem Beginn des 20. Jahrhunderts fand er noch Verwendung zur Aluminiumherstellung (siehe unten) und zur Herstellung von Opalglas und von Emaillecite-ref-gr-nwald-1922-46-0[46] fĂŒr Eisenwaren.cite-ref-stelzner-bergeat-1904-4-3[4]

Eine großtechnische Anwendung von Kryolith wurde die Schmelzflusselektrolyse zur Gewinnung von Aluminium (der seit 1886/87 etablierte Hall-HĂ©roult-Prozess), wobei etwa seit dem Ende des 19. Jahrhunderts und spĂ€testens seit 1987 nur noch kĂŒnstlich aus Fluorit erzeugter Kryolith zur Anwendung kommt. Dabei wird die Eigenschaft des relativ niedrigen Schmelzpunktes von Kryolith (1012 °C) genutzt. Aluminiumoxid (Korund), der Ausgangsstoff der Elektrolyse, hat eine Schmelztemperatur von 2050 °C. FĂŒr die Schmelzflusselektrolyse wird die eutektische Mischung verwendet. Sie besteht aus 18,5 % Al2O3 und 81,5 % Na3[AlF6].cite-ref-holleman-wiberg-47-0[47] Der Schmelzpunkt des Eutektikums liegt dann bei 960 °C. Erst diese relativ niedrige Arbeitstemperatur ermöglicht die großtechnische Anwendung der Schmelzflusselektrolyse.

Kryolith wird weiter in der Gießereiindustrie eingesetzt. Dem Formstoff beim Gießen kann Kryolith beigemischt werden. Dieses Beimischen kann jedoch die OberflĂ€chenqualitĂ€t des WerkstĂŒcks negativ beeinflussen.

Synthetisch hergestellter Kryolith findet in der HĂŒlle von Schweißelektroden als Flussmittel Verwendung.

Kryolith wird außerdem als schleifaktive Substanz in kunstharzgebundenen Schleifmitteln sowie in Schleifmitteln auf Unterlagen genutzt. Aufgrund der hohen Temperaturen, die beim Schleifen an der Spitze des Schleifkorns auftreten, schmilzt der Kryolith. Dabei korrodiert der geschmolzene Kryolith den abgeschliffenen Stahlspan und verhindert damit ein Zusetzen des Schleifkörpers.

Problematisch ist das Auftreten von Kryolith bei der Zinkphosphatierung von zum Beispiel Aluminium-Automobilkarossen oder feuerverzinkten OberflÀchen. Aluminium wird hierbei im Phosphatierbad als Kryolith ausgefÀllt und muss wieder herausgefiltert werden.

Kryolith wird auch zur Herstellung optisch hochreflektiver OberflĂ€chen verwendet. Er wird dabei in dĂŒnnen Schichten abwechselnd mit einem anderen Stoff, zum Beispiel Zinkselenid, im Vakuum aufgedampft (Vielschichtspiegel in der Lasertechnik).

Im Kryolithglas, das zur Herstellung von Augenprothesen verwendet wird, sorgt Kryolith als TrĂŒbungsmittel fĂŒr eine milchig-weiße TrĂŒbung des Glases.cite-ref-riedel-janiak-2011-48-0[48]

Trotz der Weichheit und der „verschwommenen Erscheinung“ sind farblose transparente monokline Kristalle gelegentlich verschliffen worden.cite-ref-gemdat-kryolith-49-0[49]

Der bei einer Temperatur von etwa 560 °C erfolgende Modifikationswechsel von kubischem ÎČ-Kryolith zu monoklinem α-Kryolith wird als ein wichtiges geologisches Thermometer zur KlĂ€rung der Bildungsbedingungen von Gesteinen genutzt.cite-ref-klockmann-8-3[8]

Daneben wird die gelbe Farbe bei der Feuerwerkerei nicht nur durch Natriumoxalat und Natriumnitrat, sondern auch durch Natriumhexafluoroaluminat(III) und damit kĂŒnstlichen Kryolith hervorgerufen.cite-ref-helmenstine-2021-50-0[50]

Vorsichtsmaßnahmen

Das Mineral bzw. die chemische Verbindung wird als gesundheitsgefĂ€hrdend und umweltgefĂ€hrlich eingestuft. GesundheitsschĂ€dlich ist vor allem das Einatmen und Verschlucken von Kryolithteilchen, die akut zu Beschwerden im Atemtrakt mit funktioneller Dyspnoe (erschwerte AtemtĂ€tigkeit) und schließlich Lungenemphysem (ÜberblĂ€hung der LungenblĂ€schen) fĂŒhren können. Des Weiteren sind Appetitlosigkeit, Übelkeit, Erbrechen und Verstopfung die Folge.cite-ref-gestis-51-2[51]

LĂ€ngerfristig hat Kryolith eine toxische Wirkung auf Knochen, ZĂ€hne und Nieren.cite-ref-gestis-51-3[51]

Literatur

‱ Carl Hintze: Kryolith. AlFl3·3NaFl = Na3AlFl6. In: Handbuch der Mineralogie von Dr. Carl Hintze. Erster Band. Elemente – Sulfide – Oxyde – Haloide – Carbonate –Sulfate – Borate – Phosphate : Zweite Abtheilung. Oxyde und Haloide. 1. Auflage. Band 1. Veit & Comp., Leipzig 1915, S. 2507–2505.
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Weblinks

Commons

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Einzelnachweise

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